Freitag, 2. Januar 2026 1:20
Grenze
Wandergruppe vor der Grenzsäule am „Zwei-Länder-Stein“ bei Zorge

Wanderung an der tödlichen Grenze

Harz. Ehemalige Beamte des Bundesgrenzschutzes und Zollgrenzdienstes kehren zu ihrer Wirkungsstätte zurück.

Bei optimalem Wetter wanderten jetzt rund 20 ehemalige Grenzschützer mit Gästen ca. 13 Kilometer entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze vom Gedenkstein Helmut Kleinert am nördlichen Ortseingang in Hohegeiß, überwiegend auf dem mit Betonplatten ausgelegten ehemaligen Kolonnenweg, jetzt Harzer Grenzweg, über die Sorger Straße zur Quelle der Rappbode, zum Drei-Länder-Stein (am Jägerfleck), zur Wendeleiche und Zwei-Länder-Eiche nach Zorge im Südharz.

An der „Harzer Grenzwanderung“, die Wolfgang Roehl und Lothar Engler akribisch ausgearbeitet hatten, nahm auch einer von vier im Mai 1964 aus Wasserleben (DDR) nach Eckertal geflüchteten Schülern teil. Sie überschritten in den Nachtstunden unverletzt die Grenzsperranlagen zwischen Abbenrode und Stapelburg.

An verschiedenen Punkten der landschaftlich reizvollen Tour schilderten die Organisatoren eindrucksvoll Ereignisse, die sich im Grenzabschnitt der Wanderung zugetragen haben. Hierbei zeigten sie der Wandergruppe große Fotoaufnahmen von damals.

Die Grenzsicherungsanlagen des schier unüberwindlichen Fluchtverhinderungssystems sind inzwischen entfernt worden. Einige der 2735 Grenzsäulen stehen noch am Grenzverlauf. Allerdings haben Sammler die aus Aluminiumguss hergestellten Schilder mit dem Staatswappen der DDR von den schwarz-rot-goldenen Betonsäulen abmontiert.

Erläuterungen zu verschiedenen Stellen der Wanderung:

1. Gegenüber des Grenzortes Hohegeiß wurde nur 150 Meter von der innerdeutschen Grenze Helmut Kleinert von einem Soldat der DDR-Grenztruppen erschossen. Beamte des BGS und Zollgrenzdienstes, aber auch viele Touristen aus dem In- und Ausland, konnten der gescheiterten Flucht nur tatenlos zusehen.

2. Die Rappbode entspringt bei Hohegeiß und fließt über Benneckenstein und Trautenstein unweit bei Wendefurt in die größte Talsperre des Harzes. Hinter der 106 Meter hohen Staumauer werden 110 Millionen m³ Trinkwasser gespeichert. Die Talsperre ist nach 7-jähriger Bauzeit 1959 eingeweiht worden.

3. Am „Drei-Länder-Stein“ im Forstgebiet Jägerfleck treffen sich heute die Grenzen der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Bis zum 12. November 1989 markierte dieser historische Grenzstein die Grenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR.

Text/Fotos: Helmut Gleuel