Freitag, 9. Januar 2026 10:02
Neue Strategien zur Erhaltung des Tonschiefers in der Weltkulturerbestadt Goslar

Neue Strategien zur Erhaltung des Tonschiefers

in der Weltkulturerbestadt Goslar – Zwischenergebnisse des Modellprojekts Mönchehaus

Mit rund 120.000 Euro Fördermitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) konnte im Januar 2015 mit den Projektarbeiten am Vorhaben zur Entwicklung und modellhaften Anwendung von Konservierungsstrategien zum Erhalt von Schieferwandbehängen begonnen werden. Die Arbeiten werden noch bis 2018 andauern. Ziel des Vorhabens ist es, am Beispiel des Mönchehauses in Goslar neuartige Methoden zur Sicherung und Bewahrung des originalen Wandbehangs zu untersuchen und anzuwenden. Das Mönchehaus steht dabei exemplarisch für die auch in Goslar nur noch ganz selten anzutreffenden Wandbehänge aus altem Goslarer Tonschiefer, welche prägende Bestandteile des Weltkulturerbes sind.

Material, Umweltschäden und konservatorische Problemstellung
Der Goslarer Tonschiefer ist ein sehr feinkörniges, gut spaltbares, metamorphes Gestein, das in Freibewitterung eine abwechslungsreiche mittelgraue bis hellbraune Farbigkeit aufweist. Der relativ hohe Carbonatanteil wird durch den Luftschadstoff Schwefeldioxid in Gips umgewandelt und begünstigt damit Gefügeschäden, die zu texturparallelen Materialablösungen führen. Die Schiefersteinbrüche sind seit etwa 1970 nicht mehr in Betrieb. Bei Instandsetzungen müssen daher immer öfter Ersatzmaterialien verwendet werden.

Konservierungstests zum Erhalt des originalen Schiefermaterials
Um den zusehends schwindenden Bestand an Goslarer Schiefer möglichst lange zu erhalten, wird im Projekt geprüft, ob und womit das meist umweltgeschädigte Material beständig konserviert werden kann.
In einer Vorversuchsphase wurden voraussichtlich geeignete Konsolidierungsmittel, Tränkungsmethoden, Untersuchungsmethoden und Probekörperformen selektiert. Die rund 1000 Platten des vorsichtig abgenommenen Mönchehaus-Behangs wurden in sieben Schadensklassen eingeteilt. Für die Konservierungsversuche wurden ausschließlich die am stärksten geschädigten Schieferplatten verwendet.
Anschließend wurden insgesamt 14 verschiedene Behandlungsarten am Mönchehaus-Schiefer erprobt, von denen insbesondere Behandlungsarten auf Epoxidharz- und Acrylatbasis in Laboruntersuchungen einschließlich künstlicher Bewitterung eine gute Wirksamkeit zeigten. Zur weiteren Erprobung in Freibewitterung wurden nachfolgend drei Konservierungsmittel ausgewählt und ganze Schieferplatten im Bad mit und ohne Unterdruck getränkt. Im Januar 2016 wurden auf dem Gelände des GGM in Goslar 36 konservierte Schieferplatten so montiert, dass Sonneneinstrahlung, Niederschläge und Wind maximal einwirken können.
Durch dieses mehrstufige Vorgehen soll die für die Konservierung von Schiefer sowohl aus materialtechnischen als auch aus denkmalpflegerischen Gesichtspunkten am besten geeignete Behandlungsart ermittelt werden.

Zerstörungsfreie Untersuchungen zur Zustandsüberwachung
Zur Evaluierung der Konservierungsmaterialien kommen verschiedene naturwissenschaftliche Methoden zum Einsatz. Dabei zeigte sich, dass die Untersuchung mittels Wärmebildkamera (aktive IR-Thermografie) hierfür besonders geeignet ist. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt in der zerstörungsfreien, berührungslosen und beliebig wiederholbaren Zustandskontrolle. Das Verfahren zur Diagnostik und zum Monitoring wird im weiteren Projektverlauf weiter optimiert.

Eignung von Abbruchmaterial und Ressourcenschonung
Um die begrenzte Ressource „Goslarer Schiefer“ in Zukunft optimal zu nutzen, werden im Rahmen des Vorhabens Prüfkriterien für wiederverwendbares Schiefermaterial ermittelt. Ziel ist das Einführen einer möglichst schnellen Prüfmethode, um bei Instandsetzungen das wiederverwendbare und das unbrauchbare Material zuverlässig unterscheiden zu können.

Prof. Dr. Stefan Winghart
Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege

Dr. Oliver Junk
Stadt Goslar – Oberbürgermeister

Die Projektgruppe
Das Vorhaben wird durch eine interdisziplinäre Projektgruppe unter Leitung des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege (NLD) bearbeitet. Beteiligt sind:

Dr. Paul Bellendorf
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
www.dbu.de

Dr. Frank Schlütter
Amtliche Materialprüfanstalt der
Freien Hansestadt Bremen (MPA)
Analytische Baustoffmikroskopie
Paul-Feller-Str.1
28199 Bremen
www.mpa-bremen.de

Dr. Angela Ehling
Bundesanstalt für Geowissenschaften
und Rohstoffe (BGR)
Wilhelmstr. 25-30
13593 Berlin
www.bgr.bund.de

Prof. Dr. Nicole Riedl-Siedow
Dipl.-Rest. Gerhard D’ham
Hochschule für Angewandte Wissenschaft
und Kunst (HAWK)
Studiengang Konservierung
und Restaurierung
Bismarckplatz 10
31135 Hildesheim
www.hawk-hhg.de

Dipl.-Ing. Antje Rinne
Materialuntersuchungen im Bestand und
Zentrum für Materialkunde
von Kulturgut GmbH & Co. KG (MIB & ZMK)
Gut Echtringhausen 3
31737 Rinteln
www.mib-zmk.com

Dipl.-Ing. Cordula Reulecke
Prof. Dr. Erwin Stadlbauer
Niedersächsisches Landesamt
für Denkmalpflege
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
www.denkmalpflege.niedersachsen.de

Dipl.-Rest. Beate Skasa-Lindermeir
Skasa-Restaurierung
Krumme Straße 19
38300 Wolfenbüttel
www.skasa-restaurierung.de

Dipl.-Ing. Oliver Heinrich
Jörg Scheller
Stadt Goslar
Goslarer Gebäude Manegement (GGM)
Wallstraße 1B
38640 Goslar
www.ggm.goslar.de

Ansprechpartner
Prof. Dr. Erwin Stadlbauer
Abteilungsleiter Fachdienste
Niedersächsisches Landesamt
für Denkmalpflege (NLD)
Scharnhorststraße 1
30175 Hannover
Tel: 05 11 / 9 25 – 52 37
Fax: 05 11 / 9 25 – 54 03
erwin.stadlbauer@nld.niedersachsen.de www.denkmalpflege.niedersachsen.de