Montag, 12. Januar 2026 11:49
Asklepios Klinik Clausthal-Zellerfeld
Foto: Archiv

Klinik-Standort Clausthal-Zellerfeld gefährdet

Geschäftsführerin May: „Wir stehen weiterhin zu unserem Versorgungsauftrag und allen Verpflichtungen“

• Kündigung seitens der Gesetzlichen Krankenkassenverbände ist schwebend unwirksam, Harzkliniken bedauern die Entscheidung, legten Widerspruch dagegen ein
• Mehr als 2500 Patienten wurden in der Harzklinik Clausthal-Zellerfeld in den vergangenen drei Jahren versorgt
• Leistungsangebot reicht von chirurgischen Operationen (OP), über moderne Schluckdiagnostik bis zur Nachbehandlung neurologischer Patienten.

Asklepios Klinik Clausthal-ZellerfeldDie Asklepios Harzkliniken bedauern die Kündigung des Versorgungsvertrages für den Klinik-Standort Clausthal-Zellerfeld seitens der Verbände der Gesetzlichen Krankenkassen in Niedersachsen – noch ist aber rechtlich endgültig nichts entschieden, da das Land Niedersachsen die für die Kündigung notwendige Genehmigung den Verbänden nicht erteilt hat. Im Klartext: Die Kündigung ist derzeit nicht rechtswirksam. Harzkliniken-Geschäftsführerin Adelheid May sagte: „Es ist eine Entscheidung der Kassen, diese Maßnahme bedauern wir sehr.

Wir haben gegen den Bescheid der Verbände Widerspruch eingelegt, weil wir unserem Versorgungsauftrag und allen Verpflichtungen, die wir mit dem Kauf im Jahr 2003 übernommen haben, weiterhin nachkommen. Davon sind wir nie abgerückt und werden es auch jetzt nicht tun.“ Die „Bilanz“ der Leistungen am Klinik-Standort: Mehr als 2500 Patienten wurden in der Harzklinik Clausthal-Zellerfeld in den vergangenen drei Jahren versorgt. Das Leistungsangebot reicht von chirurgischen Operationen, über moderne Schluckdiagnostik im Rahmen der geriatrischen Frührehabilitation bis zur Nachbehandlung von neurologischen Fällen, z.B. bei Schlaganfall-Patienten.

Adelheid May wies zugleich vereinzelt öffentlich geäußerte Spekulationen, dass die Harzkliniken an dem Standort Clausthal-Zellerfeld nicht interessiert seien beziehungsweise diesen gar „ausbluten“ lassen wollten, als unrichtig und absurd zurück. „Die künftige Größe des Hauses und auch einzelner Fachabteilungen, bestimmt durch die Bettenzahl, sind stets mit ausschlaggebend für die Zukunftsfähigkeit“, sagte die Harzkliniken-Chefin.
Geschäftsführerin May betonte: „Unter den gegebenen Rahmenbedingungen haben wir immer alles in unseren Kräften Stehende unternommen, ein Leistungsangebot zu gewährleisten, das den Standort in Clausthal-Zellerfeld stabilisiert, um so unseren Versorgungsauftrag zu erfüllen. Dies ist uns bisher auch trotz vieler nicht zu beeinflussender, äußerer Faktoren gelungen und wir versuchen das auch weiterhin.“

Sie erinnert vor allem an die Vorgeschichte und an die Bemühungen der Harzkliniken dabei: Mit dem Land, dem Landkreis und den Krankenkassen wurde immer wieder überlegt, ob andere oder weitere Versorgungsbereiche in Clausthal-Zellerfeld etabliert werden könnten. Doch: Der Niedersächsische Landtag kam dann im Jahr 2014 in einer Drucksache selbst unter anderem aufgrund von Prognosen einer in den kommenden Jahren bundesweit, aber besonders in der Harzregion, weiter stark steigenden Zahl älterer Menschen zu dem Schluss, dass in Clausthal-Zellerfeld eine Geriatrie sinnvoll sei – mit 85 Betten!

Auf dieser Basis entwickelten die Harzkliniken dann das Konzept für einen 85-Betten-Neubau der Geriatrie. Auch alle Experten der Fachgesellschaften sind sich übrigens einig, dass man speziell eine Fachabteilung Geriatrie erst ab einer gewissen Größe bestimmter funktionsdiagnostischer und therapeutischer Einrichtungen medizinisch sinnvoll betreiben kann, nämlich ab 85 Betten. Unsere Vorschläge von weiteren Leistungsmöglichkeiten auch in Form von Modellprojekten fanden leider keine Zustimmung.

Adelheid May: „Wir haben dann im Jahr 2014 entsprechend unser Neubaukonzept für 85 Betten beim Land eingereicht, einen entsprechenden Fördermittelantrag in Höhe von 8,8 Millionen Euro gestellt.“ Doch: Der Neubau wurde seitens des Landes Planungsausschusses nicht entschieden, stattdessen darum gebeten, ein räumliches Konzept innerhalb der bestehenden Gebäudestrukturen zu schaffen. May: „In einem weiteren, neuen Konzept sind wir diesem Wunsch nachgekommen. Dass die vom Land forcierte „kleine“ Lösung einer Maßnahme innerhalb der bestehenden Struktur nur noch 28 Betten zulässt, haben wir aus den oben genannten, auch für die Region wichtigen Gründen stets bedauert! Aber wir haben uns hier dem Kompromiss von Land und Landkreis gebeugt!“

Das Leistungsangebot in der Asklepios Harzklinik Clausthal-Zellerfeld kann sich trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sehen lassen

– Mehr als 2500 Patienten wurden in den vergangenen drei Jahren dort behandelt.
– Die Notfallversorgung ist gewährleistet, rund um die Uhr. Im Jahr 2015 wurden 1223 Notfälle behandelt, im Jahr 2016 waren es 1230, im vergangenen Jahr betrug die Zahl 910.
– Dr. med. Mohamed Diab leitet als Belegarzt die Chirurgie, ist auch für die Operationen zuständig, ergänzend gibt es das MVZ Oberharz, dort hat Dr. med. Katharina Hildebrandt die Leitung, Fachgebiet: Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
– Umfassendes Leistungsangebot der Abteilung Inneres/Geriatrie, durch Chefärztin Dr. med. Sabine Reuter und ihr Ärzteteam: u.a. vollständige geriatrische Früh-Rehabilitation, internistischen Erkrankungen wie z.B. Herzerkrankungen, COPD, Lungenentzündung, Diabetes und Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck, „Frailty Syndrom“ (Gebrechlichkeit): Behandlung von Symptomen wie allgemeine Schwäche, Gewichtsverlust, Muskelschwund, Anfälligkeit für Krankheiten.
– Gangstörungen im Rahmen von Knochenbrüchen oder neurologischen Erkrankungen
– Geriatrische Syndrome wie Instabilität, Immobilität, Intellektueller Abbau, Inkontinenz, u.v.m.
– Ultraschall-Untersuchungen etwa bei Schilddrüsen- und Herz-Problemen
– Moderne Schluckdiagnostik: Endoskopie-Untersuchungen bei Schluckbeschwerden durch ein modernes tragbares Gerät, um Kehlkopf zu beobachten
– Nachbehandlung von neurologischen Fällen, z.B. Schlaganfall-Patienten

Es gilt: Die geriatrischen Abteilungen in Goslar und Clausthal-Zellerfeld werden durch unsere Chefärztin Dr. med. Sabine Reuter geleitet; die Patienten werden nach individueller Versorgungsnotwendigkeit oder nach dem Wohnortprinzip in Goslar oder Clausthal versorgt. Mit dem Angebot geriatrischer Leistungen in Goslar sind wir dem Wunsch der Kostenträger gefolgt, um Mehrfachverlegungen zu vermeiden. Dies hat aber auch zur Folge, dass die Belegung in der Harzklinik Clausthal-Zellerfeld in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist, erschwerend wirkt sich für den kleinen Standort zudem der bundesweite Fachkräfte- und Ärztemangel aus, aber auch die überbordende Bürokratie, die sich in den MDK-Prüfungen deutlich zeigt.

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