Diskussion um Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst ist bestimmendes Thema / Fachforen beschäftigen sich unter anderem mit E-Health, Entlassungsmanagement im Krankenhaus und Gemeindepsychiatrische Zentren
Großer Andrang herrschte bei der dritten Gesundheitskonferenz des Landkreises Goslar, die am Mittwoch, 13. Dezember 2017 im Tagungs- und Konferenzhotel Der Achtermann in Goslar veranstaltet wurde.
Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand vor allem die Podi-umsdiskussion zum Thema Abschaffung des Kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes, die vom NDR als Radiosendung aufgezeichnet wurde.
Schon in seiner Begrüßung machte Landrat Thomas Brych vor den Tagungsteilnehmern deutlich, dass die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) als eine klare Schlechterstellung in der Gesundheitsversorgung zu werten sind.
Diese Meinung brachte Landrat Brych auch bei der Podiumsdiskussion, die von 17 bis 18 Uhr durchgeführt wurde, deutlich zum Ausdruck. Unter anderem sagte der Chef der Goslarer Kreisverwaltung, dass die von der KVN auf Grundlage der Bedarfsplanung ins Feld geführte 110 prozentige kinderärztliche Versorgung nicht mit der Lebenswirklichkeit der Menschen im Landkreis übereinstimme: „Die Berechnungen der KV mögen zwar rein statistisch gesehen korrekt sein, doch steht diesen Zahlen die subjektive Wahrnehmung der Patientinnen und Patienten gegenüber. Immer wieder sind Klagen dahingehend zu hören, dass es für viele Eltern immer schwieriger wird, Termine bei Kinderärzten zu bekommen.“ Dieser Umstand sei zwar in keinem Fall den praktizierenden Kinder- und Jugendmedizinern im Landkreis anzulasten, die einen hervorragenden Job machten, aber diese Wahrnehmung mache schon deutlich, dass es offenbar Lücken in der praktischen Versorgung gäbe.
Ferner machte sich der Landrat für die Beibehaltung des Kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes stark und brachte eine Lösung am Krankenhausstandort Goslar ins Spiel. Natürlich sei man diesbezüglich erst am Anfang möglicher Prüfungen. Man sollte dieses Szenario aber nicht leichtfertig vom Tisch wischen. Brych sagte, dass im neuen Jahr ein Gespräch mit den Verantwortlichen von Asklepios geplant sei. Dort könne durchaus auch über dieses Thema gesprochen werden.
Neben Landrat Brych, der sich zusammen mit einer besorgten Mutter gegen die Abschaffung des Bereitschaftsdienstes aussprach, verteidigten Dr. Thorsten Kleinschmidt (Sprecher der KV im Bezirk Braunschweig) und der Bad Harzburger Kinderarzt Dr. Carsten Queißer die Neustrukturierung, die ab 1. Januar 2018 greifen soll.
Dr. Kleinschmidt erläuterte dem Publikum – das sich vor allem aus be-sorgten Müttern und Väter zusammensetzte – die Pläne der Kassenärztlichen Vereinigung und sagte, dass im Laufe des morgigen Tages eine Presseerklärung veröffentlicht wird, die Auskunft über die neue Struktur und Organisation geben soll. Unter anderem ist die Einrichtung einer zentralen Rufnummer für den Kinderärztlichen Bereitschaftsdienst ge-plant, der künftig an den Standorten Salzgitter, Braunschweig und Wolfsburg vorgehalten wird.
Begleitet wurde die Podiumsdiskussion im Vorfeld von einer kleinen Demonstration. Vor dem Hotel „Der Achtermann“ hatten sich einige Eltern zusammengefunden, um für den Erhalt der noch bis zum Ende dieses Jahres gängigen Praxis zu protestieren.
Neben dem kinderärztlichen Bereitschaftsdienst wurde die heutige Konferenz auch für weitere wichtige Themen rund um die Gesundheitsver-sorgung im Landkreis Goslar genutzt. So erläuterte Dr. Anne Fleck, die vor allem unter dem Namen Doc Fleck aus dem NDR-Fernsehen be-kannt ist, in ihrem Impulsvortrag welch positiven Einfluss die richtige Ernährung auf die Gesundheit hat, und welche Vorsorge-Effekte erzielt werden können.
In vier Fachforen widmeten sich die Teilnehmer anschließend Frage-stellungen wie dem Entlassungsmanagement im Krankenhaus, eHealth & Big Data und dem vorrangigen Entwicklungsziel des Landespsychiat-rieplans Niedersachsen.
Im Forum eHealth & Big Data stellten die Teilnehmer unter anderem fest, dass Deutschland die Digitalisierung im Gesundheitswesen bisher verschlafen habe. Es gäbe jedoch auch schon vielversprechende Best-Practice-Beispiele, die verdeutlichen würden, dass es auch ohne ent-sprechende Gesetzesvorgaben gute Lösungswege gibt.
Im Fachforum Entlassungsmanagement wurde sehr kontrovers disku-tiert. Holger Lippold, Regionalbereichsleiter der AOK, berichtete, dass noch viel Informationsbedarf bei den Versicherten bestünde. Ferner müssten die Krankenhäuser noch stärker in diesen Bereich eingebun-den werden.
Interessante Eindrücke schilderten auch die Referenten der weiteren Foren Alter erfahren: Alterssimulationsanzug und Rund um ambulant.
Moderiert wurde die Konferenz von Britta Kenter (Landesvereinigung für Gesundheit). Kenter zeichnete zum Abschluss der Veranstaltung auch für die Zusammenfassung der Forenergebnisse verantwortlich.
Insgesamt wohnten der dritten Gesundheitskonferenz neben den Zuhörern der Podiumsdiskussion mehr als 100 Teilnehmer bei.
Landrat Thomas Brych bewertete die dritte Auflage als großen Erfolg und erklärte, dass der Landkreis immer offene Ohren für Themen und Anregungen hat. Im kommenden Jahr soll die Konferenz in vierter Auf-lage durchgeführt werden.
Hintergrundinformationen:
Die im Rahmen der Gesundheitskonferenz aufgezeichnete Radiosen-dung von NDR 1 Radio Niedersachsen ist am morgigen Donnerstag, 14. Dezember 2017, in der Zeit von 19.05 bis 20 Uhr zu hören. Ferner wird Morgen auch in der NDR-Fernsehsendung „Hallo Niedersachsen“ (19.30 Uhr) über die Gesundheitskonferenz und die Podiumsdiskussion berichtet.
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