Sonntag, 11. Januar 2026 17:37
Der Computer hält Einzug in den Sprachunterricht für Geflüchtete. Im neuen Sprachkurs der Volkshochschule des Landkreises Goslar „Einstieg Deutsch“, der sich ausschließlich an Frauen richtet, sind vertiefende Selbstlernphasen am Computer fester Bestandteil. Dozent Thomas Konnopka gibt den Frauen Hilfestellungen und erläutert den Umgang mit der Lernsoftware. Foto: Landkreis Goslar

Der Computer hilft beim Deutsch lernen

Kreisvolkshochschule erprobt neues Sprachlernangebot für geflüchtete Frauen

Die 20-jährige Somay Norzade ist vor rund zwei Jahren aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. In den vergangenen Monaten absolvierte die junge Migrantin als eine von insgesamt 15 Teilnehmerinnen einen Deutschkurs bei der Kreisvolkshochschule Goslar, der gleich aus zweierlei Hinsicht bemerkenswert ist: zum einen richtet sich das neue Kursangebot der Kvhs Einstieg Deutsch ausschließlich an Frauen, und zum anderen verknüpft das Lernangebot den klassischen Deutschunterricht mit begleitetem Online-Lernen. Der Computer nimmt eine wichtige Rolle beim Erlernen der deutschen Sprache ein.

Laut Kursleiter Thomas Konnopka ist diese Kombination zeitgemäß, denn sie umfasst eben nicht nur die tradierte Sprachvermittlung durch einen Dozenten, sondern schließt auch Selbstlernphasen am Computer ein.

In den Selbstlernphasen, die auch als Phasen des vertiefenden Lernens bezeichnet werden, stand Dozent Konnopka die ehrenamtliche Lernbegleiterin Lara Wachter zur Seite.

Die frischgebackene Abiturientin aus Goslar freut sich, die Zeit zwischen Schulabschluss und Studium derart sinnvoll nutzen zu können, denn die Arbeit mit den geflüchteten Frauen macht vor allem deshalb Spaß, weil die Teilnehmerinnen überproportional motiviert sind und großen Ehrgeiz an den Tag legen um ihre Sprachfähigkeiten schnellstmöglich zu verbessern.

„Und das ist auch wichtig,“ weiß der erfahrene Dozent Konnopka aus seiner langjährigen Tätigkeit mit Migranten und ergänzt, „dass gute Deutschkenntnisse nicht nur dabei helfen, sich besser im Alltag zu orientieren, sondern auch die Bleibechancen steigern. Sprache, so Konnopka weiter, ist nämlich der Schlüssel zu gelungener Integration und entsprechende Kurse deshalb unverzichtbar.“
Das Lernangebot richtet sich an Geflüchtete ab 16 Jahren, die noch keine Teilnahmeberechtigung für den Integrationskurs haben, da die Anerkennung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) noch aussteht. Es sollen sowohl Geflüchtete aus Ländern mit guter als auch mit unklarer Bleibeperspektive angesprochen werden. Geflüchtete aus sicheren Herkunftsländern können hingegen nicht teilnehmen.

Die Teilnahme ist kostenfrei und das Angebot wird laut Thomas Konnopka über die Flüchtlingsnetzwerke im Landkreis und über Mundpropaganda bekannt gemacht.

Die Absolventinnen des Kurses sind bunt gemischt. Neben einigen, die über Schulabschlüsse aus ihren Heimatländern und erste Sprachkenntnisse verfügen, gibt es auch Teilnehmerinnen, die keine Schulbildung genossen haben. Aus diesem Grund kommt die individuelle Betreuung in den Selbstlernphasen, in denen auf die Lernenden im Sinne einer Nachhilfe eingegangen wird, bei den Frauen sehr gut an. Doch neben viel Lob gab es auch einige Kritikpunkte. So erklärte beispielsweise Somay Norzade, dass sie das Kursangebot grundsätzlich sehr gut findet, sich jedoch eine längere Kursdauer gewünscht hätte.

Inhaltlich drehen sich die Einstieg-Deutsch-Kurse im Übrigen um das Wichtigste für die Kommunikation im Alltag: sich begrüßen und vorstellen, einkaufen, den Weg erfragen oder den Arztbesuch meistern.

Eine neue Auflage des Kursus ist bereits in Planung, hängt jedoch auch von der Bewilligung notwendiger Fördermittel ab.

Wer Interesse hat, sich weiterführend über das Lernangebot zu informieren, kann im Internet auf das Portal ich-will-deutsch-lernen.de (www.iwdl.de) zugreifen.

Fotoquelle: Landkreis Goslar