Freitag, 2. Januar 2026 8:13
Die Aktiven

Nicht jeder Koch greift nach den Sternen

Vereinigung Harzer Köche präsentiert sich auf dem Clausthal-Zellerfelder Bergbauernmarkt

Clausthal-Zellerfeld. Mit ihrer typischen Berufsbekleidung, weiße Jacken und weiße Mützen, präsentierte sich die Vereinigung Harzer Köche am Donnerstag auf dem ergbauernmarkt in Zellerfeld. „Das ist Anwesenheitswerbung“, sagte Vorsitzender Michael Klutt. Als schmackhafte Attraktion wurden 2000 Stück Fingerfood an die Besucher verteilt.
Die Moderation durch Peter Weiss, ehemaliger GZ-Redakteur, ließ den Spätnachmittag zusätzlich zu einem Unterhaltungserlebnis für alle Beteiligten werden.

Für seinen Beruf fielen Küchenmeister Michael Klutt im wesentlichen positive Stichworte ein. „Wir bereiten Lebensmittel so zu, dass unsere Kunden möglichst angenehme Geschmackserlebnisse haben, arbeiten zu regelmäßigen Zeiten und liegen auch bei der Entlohnung gut im Rennen“, stellte er fest. Allerdings muss man dafür gelegentlich Arbeit an Sonn- und Feiertagen in Kauf nehmen, also zu Zeiten, an denen Familienfreunde Freizeit genießen. Aber damit kann jeder, der sich mit dem Beruf identifiziert, leben.

Unter diesen Umständen sollte es eigentlich keine Nachwuchsprobleme geben. „Na, ja“, meint Jugendwart Torsten Reitzig. Der Ansturm halte sich in
Grenzen in einer Zeit, in der Abitur und Studium im Bildungswesen vor dem Einstieg in einen Lehrberuf rangieren.

Die Ausbildung im so genannten dualen System in Betrieb und Berufsschule garantiert solides Grundwissen und handwerkliche Geschicklichkeit am Herd. Darüber hinaus stehen bei den Köchen auch Einkauf, HACCP und Vorbereitung auf dem Stundenplan.

Muss man im Zeichen industrieller Lebensmittelproduktion überhaupt noch so viel lernen? „Natürlich“, sagt Fachpraxislehrerin Angelika Klutt. Die persönliche Kreativität kann die Industrie nicht ersetzen. Wer wirklich gut essen möchte, werde schnell zwischen frischer Zubereitung und Fertigkost unterscheiden.

Dabei wird die Qualität zum Beispiel der „TK“ (Tiefkühlkost) von den Köchen durchaus nicht in Frage gestellt. So ist sie aus den Großküchen in Kliniken kaum wegzudenken, in denen meist Preisvorgaben pro Patienten eine Rolle spielen. Wenn man bedenkt, dass ein Klinik-Koch in einer Größenordnung von drei Euro pro Patient eine Tagesverpflegung realisieren muss, ahnt man dessen Problem zwischen Qualität und Kosten.

Strebt jeder Koch irgendwann nach den berühmten Sternen? „Durchaus nicht“, meint der Vereinsvorsitzende. Wichtiger als das Statussymbol sei die Zufriedenheit der Gäste, meinte er. Die könne man auch mit handfesten Gerichten in guter Qualität erreichen. Michael Klutt: „Wer unbedingt nach den Sternen greifen will, soll das tun. Für die meisten von uns ist das keine Option.“

Mancher Besucher lässt sich von Peter Weiss zu Geschmacksaussagen überreden. Die Vegetarier sind dabei eindeutig in der Minderheit. „Bei uns kommt Fleisch auf den Teller“, heißt es mehrfach. Aber auch Eintöpfe sind beliebt.

Klitzekleine Küchentipps gibt es am Rande der Moderation. So weiß der Ehrenvorsitzende der Harzer Köche Volker Berrisch, dass sich Zwiebeln ganz ohne Tränen mit einem ganz scharfen Messer schälen und schneiden lassen. Schließlich weiß man nun auch, dass es keinen Unterscheid macht, ob ein gekochtes Ei abgeschreckt wird oder nicht. Bei einer kleinen Rechenaufgabe ans Publikum zauderte der eine oder andere kurz; wenn ein Ei 10 Minuten kochen muss bis es hart ist, wie lange brauchen dann 10 Eier?

Um kurz nach 20 Uhr packten die Harzer Köche ihre Utensilien zusammen. Wir haben 2000 Stück Fingerfood verteilt und nicht einen Krümel mehr, wir sind restlos leer gegessen, meinte der Vorsitzende.