Zum Heimatnachmittag mit dem Thema „Neubau der B6n“ hatte der Heimat-, Kultur- und Museumsverein eingeladen.
Andreas Weihe, Vorsitzender des Vereines, hatte eine interessante DIA-Serie zusammengestellt, von dem ersten Spatenstich bis zur Übergabe der Straße. Nicht nur Gäste aus Abbenrode, sondern auch aus Vienenburg, Goslar und zwei ehemalige Mitarbeiter der Straßenbauverwaltung des Landes Sachsen-Anhalt, aus Halberstadt waren gekommen.
Ab Juli 1990 spitzte sich die Situation auf der Straße, mit der Einführung der D-Mark zu. Innerhalb eines Jahres nahm der Straßenverkehr in Sachsen-Anhalt um 40 Prozent zu, beinahe jeder zweite Einwohner hatte ein Auto und wollte gen Westen fahren. Bereits im Frühjahr 1990 kam es zu den ersten Gesprächen zwischen Verkehrsplanern aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.
Bevor die ersten Baumaschinen anrollen konnten, gab es viele Gespräche des Amtes für Agrarstruktur mit Landwirten. Viele Ackerflächen der Landwirte wurden durch den Neubau geteilt. Ziel war es, das möglichst jeder wenig Verlust hatte, es mussten Austauschflächen beschaffen werden, viele Flächen wurden getauscht entschädigt werden. Zu Baubeginn im November 1997 entstanden viele kleine „Pilze“, hier wurden die späteren Brücken gebaut. Das hügelige Gelände, Flüsse und Täler machten den Bau von insgesamt 114 Brücken notwendig.
Die Brücken über- beziehungsweise unterquerten Straßen, Bahnstrecken, Wirtschaftswege oder Gewässer. Die Eckerbrücke bei Lochtum erreicht eine stolze Länge von 93 Meter. Vier Bauwerke sind so genannte Wildbrücken, diese dienen sowohl dem Schutz der Tiere als auch dem Autofahrer. Viele Feldwege mussten neu geordnet werden, die Stimmecke verlegt, sie erhielt ein neues Flussbett, somit konnten Kosten und Brücken eingespart werden. Auch die Gastrasse nach Stapelburg musste verlegt werden.
Große Erdbewegungen waren an verschiedenen Abschnitten notwendig, die Erde wurde an anderen Stellen wieder benötigt. An Spitzenzeiten waren bis zu 400 Arbeiter, von verschiedenen Baufirmen auf der Baustelle beschäftigt. Die Deckschicht ist abschnittsweise aus Asphalt oder Beton. Einen traurigen Tag gab es auch während der Bauarbeiten im Jahr 2000, dort wurde ein Arbeiter bei einem Unfall von Gerüstplatten erschlagen.
Knapp 87 Kilometer ist die gesamte B6n lang, vier Fahrspuren zu je 3.50 Meter Breite entstanden, links und rechts der Fahrspuren entstand ein jeweils zwei Meter breiter Randstreifen. Die geplanten Baukosten von insgesamt 600 Millionen Euro für die gesamte Strecke konnte eingehalten werden. Die Kosten wurden zu 60 Prozent von der Europäischen Union und den Rest steuerte der Bund bei. Die Planungskosten wurden überwiegend vom Land Sachsen-Anhalt finanziert.
Bei der Einweihung am 2. Oktober 2001 war es soweit, das 8,1 Kilometer lange Teilstück zwischen der A395 und Stapelburg wurde damals durch den Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, Jürgen Heyer, freigegeben. Rund 500 Schaulustige verfolgten damals die Eröffnung, Einwohner von Abbenrode und vielen Nordharz-Gemeinden. Für den Ort Abbenrode und sein Gewerbegebiet bietet die B6n ein hervorrage nde Anbindung an das Bundesfernstraßennetz in Richtung Ost und West.
Es kamen auch Stimmen in Abbenrode auf, etwas gegen die Lärmbelästigung, besonders bei Ostwind, zu tun. Zwar sagen die theoretischen Lärmbelästigungen keine erhöhten Belastungen für Abbenrode aus, die Praxis scheint da eine andere Sprache zu sprechen, so Andreas Weihe. Alle sind sich nach den vielen Jahren einig: Es war ein Segen für alle, eine schnelle Verbindung von der Autobahn A 395 bei Vienenburg und der A 14 bei Bernburg und eine Entlastung des Verkehrs für viele Dörfer und Städte. Heute benutzen 28.000 Autos und 2500 LKW die B6n täglich.
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