Montag, 12. Januar 2026 6:33
70 Jahre Vertreibung aus Schlesien
Josef Stein und die zahlreichen Bücher und Erinnerungen aus Schlesien

70 Jahre Vertreibung aus Schlesien

– 70 Jahre Vertreibung aus Schlesien -, so lautete die Veranstaltung der Landsmannschaft der Schlesier, die in Vienenburg seit 66 Jahren besteht.

Über 60 Interessierte aus dem ganzen Landkreis Goslar und Wolfenbüttel waren zu der Erinnerungsfeier in die „Germania Quelle“ gekommen.
Der 1. Vorsitzende gab zur Einführung einen Rückblick, wie es damals zu der Vertreibung kam. Kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges standen die Russen vor Königsberg. Um ihr Leben zu retten, mussten 2 Millionen Ostpreußen, 2,5 Millionen Westpreußen, 1,8 Millionen Pommern, 3 Millionen Sudetendeutsche sowie 4,5 Millionen Schlesier flüchten oder wurden vertrieben. Mitte März 1946 begann die Vertreibung. Für den damaligen 11- jährigen Josef Stein gingen es zu Fuß von Wölfelsgrund, mit der Mutter und sieben Geschwistern, am 19. März 1946, nach Mittelwalde. „Im Zug, mit 43 großen Viehwaggons, immer etwa 50 Personen, ging es bis Breslau“, so Josef Stein. In Dresden wurde der Zug geteilt, weiter ging es nach Erfurt, hier hatten sie vier Tage Aufenthalt und es erfolgte die Entlausung. In SZ-Immendorf erfolgte die Registrierung und nach einer Woche Aufenthalt ging es am 4. April in das Lager auf den dem Vienenburger Schützenplatz.
Als Essen gab es jeden Tag Steckrübensuppe. In Vienenburg war der damalige Bürgermeister Carl Fricke für die Verteilung zuständig. Anschließend erfolgte die Verteilung nach Wehre, Lochtum, Immenrode, Wiedelah und Lengde. In vielen Ortschaften kam zu Spannungen zwischen den Einheimischen und Flüchtlingen. Die Gemeinden hatten nur eine Notverwaltung und es fehlten die Ansprechpartner. In den Gemeinden hatten sich kleine Verbände landsmännischer Art gegründet, teilweise illegal, da die Militärregierung sämtliche Zusammenschlüsse verboten hatte. Die Gründung der Landsmannschaft und Arbeitsgemeinschaft der Flüchtlinge konnte erst am 19. September stattfinden. Ein offizieller Zusammenschluss war aber erst im Jahre 1948 möglich. Als 1. Vorsitzender wurde Dr. Bernhard Hill (Vienenburg) und Ernst Rohde (Immenrode) als 2. Vorsitzender gewählt.
In den Zusammenkünften versuchten die Nachkommen durch Sketche, Gedichte und Lieder in Mundart, das ostdeutsche Brauchtum und Kulturgut der verlorenen Heimat zu erhalten und zu vermitteln. Am 19. September 1948 wurde der Bund der Vertriebenen gegründet. Als Geschäftsstelle des Kreisverbandes wurde das Haus in der Brückenstraße 6 ausgewählt.
Der Kreisverband hatte zu Spitzenzeiten 1960 insgesamt 1800 Mitglieder, im Jahre 1978 waren es nur noch 624. So fanden Veranstaltungen 1977 zum Tag der Heimat im DGH Othfresen oder in der Vienenburger Stadthalle sowie ein Erntefest oder eine Johannisfeier in Schladen vor 400 Besuchern statt. Bis vor vier Jahren wurden in Schladen noch zum „Tag der Heimat eingeladen“.
Heute gehören der Landsmannschaft der Schlesier in Vienenburg noch 30 Mitglieder an, es wird sich immer noch jeden Monat in der „Germania Quelle“ zu bunten Nachmittags-Kaffee und -Kuchen getroffen. Die ältesten Mitglieder sind Hildegard Engler mit 94 und Hermann Bienert mit 93 Jahren.
Viele Schlesier, die damals ihr Hab und Gut verloren haben, fahren regelmäßig nach Schlesien in die alte Heimat, so auch Familie Hötzel. Der 1. Vorsitzende berichtete, dass Ende Juni 2017 die Landsmannschaft der Schlesier eine Busfahrt über 10 Tage in die alte Heimat veranstalten. Sie führt über das Riesengebirge, Hirschberg, Krakau, Breslau nach Bad Altheide.
Anmeldungen nimmt Josef Stein unter Telefon (05324) 2325 entgegen. Zum Abschluss der Veranstaltung gab es für alle Teilnehmer schlesischen Kartoffelsalat mit Würstchen, zubereitet von Marie-Luise Stein.