Mittwoch, 28. September 2022 18:02
Filmvortrag

Werlaburgdorf und die Landwirtschaft im Wandel der Zeit

Ein voller Erfolg war ein Filmvortrag von Jörg Uhde über die Landwirtschaft und Werlaburgdorf im Wandel der Zeit ab dem Jahr 1945

Das Dorfgemeinschaftshaus war gut gefüllt, alle 150 Sitzplätze waren belegt, einige Besucher mussten den Filmvortrag im Stehen anschauen. Die Idee einen Film zu drehen hatte Jörg Uhde am Anfang des vergangenen Jahres, er wollte den Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie in Werlaburgdorf einmal präsentieren. So wie der erste Weltkrieg hat auch der zweite Weltkrieg seine Spuren im damaligen Burgdorf (am 9. Oktober 1956 wurde es in Werlaburgdorf umbenannt) hinterlassen. Viele Gefallene und Vermisste waren zu beklagen. Nach dem zweiten Weltkrieg mussten viele Flüchtlinge aufgenommen und Wohnraum zur Verfügung gestellt werden. Im Jahr 1951 hatte Werlaburgdorf 1237 Einwohner, heute sind es etwa 750 Einwohner.

Von 32 Höfen auf 7 in 70 Jahren

Waren es 1950 noch 32 Höfe, sind es nun noch 5 Höfe in Vollerwerb und 2 im Nebenerwerb, die bewirtschaftet werden. Der Hof von Gustav Schmidt erlebte 1945, wie die Amerikaner in der unteren Etage des Hauses eine Kommandantur eingerichtet hatten. Die Familie selbst musste in die obere Etage ziehen, Gustav Schmidt kam 1948 aus französischer Gefangenschaft zurück. Nachdem 1973 die Wirtschaftsgebäude des Hofes wegen schlechter Bausubstanz abgerissen werden mussten, sind diese Flächen einer parkähnlichen Anlage gewichen und nur noch ein kleiner Mauerrest, auch „Klagemauer“ genannt, erinnert an die stattlichen Gebäude.
Im November 1967 gründet Friedrich Lehnhoff auf einem Gelände von 2,7 Hektar einen eigenen Betrieb. Er war Gärtner in der dritten Generation. Gestartet wurde mit zwei Gewächshäusern – heute sind es über 20.000 qm sowie eine Packhalle und ein weiteres Betriebsgebäude. Die Gärtnerei spezialisierte sich auf Schnittblumen und Freilandrosen. Vor zehn Jahren gründeten Helmut Wilm und Nicole Burbach-Wilm eine Reitanlage mit Pensionsbetrieb für 40 Pferde und Aktiv-Bewegungsstall für artgerechte Haltung in Werlaburgdorf. Außerdem entstand ein Geflügelparadies mit bis zu 1200 Hennen, sie leben in drei Hühner-Mobilen in Freilandhaltung.

Zahlreiche Handwerker, Kaufleute, Gewerbe und Kleingewerbe gab es im Dorf, vom Friseur, Schlachterei, Käserei, Sattlerei, Becker, Schuster, Schreibwaren, Lebensmittel und einer Schmiede – heute gibt es noch nicht einmal mehr eine Sparkasse. Aber zahlreiche Vereine, wie den TC Werla-Tennisclub von 2005, die Jugendfreunde, eine Flötengruppe, Seniorenkreis, die Kyffhäuser Kameradschaft und natürlich die Feuerwehr mit 120 Mitgliedern.

Wenn die Infrastruktur bröckelt

„Beginnt die Infrastruktur erst einmal zu bröckeln, ist es schwierig sie wieder aufzufangen, viele junge Berufstätige sind weggezogen. Vieles ist nur noch mit dem PKW zu erreichen”, so Jörg Uhde. Aber es wurde auch wieder in Werlaburgdorf gebaut, im Baugebiet Hinter der Schmiede und ab 2004 im neuen Baugebiet standen 30 Bauplätze zur Verfügung.

Nach dem 52-minütigen Film dankten die Besucher mit einem tosenden Applaus. Anschließend wurde ein Buch über den Film „Werlaburgdorf im Wandel der Zeit“ verteilt, der Erlös ist, wie der Überschuss aus den Getränken und Imbiss für das neue Feuerwehrfahrzeug in Werlaburgdorf bestimmt. In einer Ausstellung wurden historische Dokumente, Fotos und Zeitungsausschnitte präsentiert. Anschließend unterhielt die Gruppe Wandervögel die Besucher mit Musik.